Turbo66 Wochen mit Turbo von Zypernhunde –

Eine Zwischenbilanz von Heike und Josef

Am 14.04.19 morgens um 7 Uhr haben wir unseren Turbo am Flughafen in Frankfurt in Empfang genommen. Lange mussten wir auf ihn warten: bereits Mitte Februar hatten wir den Vertrag unterschrieben. Leider ist diese Zeit keine Hauptreisezeit für Zypern und die Insolvenz der Fluglinie Germania hat ebenfalls dazu beigetragen, dass eine schnellere Ausreise für Turbo nicht möglich war. Wir haben versucht, uns die Zeit mit vielen Videos und Büchern zum Thema Hund, insbesondere „Tierschutzhund“ zu verkürzen. Alle, die sich mit dem Thema beschäftigen, werden Argumente für und gegen diese Entscheidung finden … um das Ende dieses Berichtes vorwegzugreifen: wir bereuen unsere Entscheidung keine einzige Sekunde!

Was uns die lieben Flugpaten in Frankfurt übergeben haben, war ein vom Transport erstmal verängstigter, dünner kleiner Wuffi in einer großen Transportbox. Viel größer hatten wir ihn uns vorgestellt! Die realen 50 cm Schulterhöhe sahen eher nach 30 cm aus. In einer etwas ruhigeren Ecke der Ankunftshalle haben wir unsere ersten Kontaktversuche mit Turbo gemacht: an unseren Händen schnuppern lassen, vorsichtig die Leine dran, füttern mit Reis und Leckerli, Wassertopf hinstellen, ganz langsam aus der riesigen Transportbox locken, die ersten wackeligen, unsicheren Schritte auf dem glatten Boden der Flughafenhalle. Da dann gegen mittlerweile 8 Uhr doch schon sehr viele Leute in der Halle waren, haben wir Turbo wieder zurück in seine Box und ins Auto gebracht. Er war sehr ängstlich, hat sich aber gleich hingelegt. Wir hatten die Box so im Auto auf die umgelegten Rücksitze platziert, dass er uns immer sehen konnte. Gleich die erste Ausfahrt nach Frankfurt sind wir in ein Waldgebiet rausgefahren und haben Turbo dort seine ersten Schritte machen lassen. Viel Unsicherheit, trotzdem viel Schnüffeln, leider kein Pipi. Nach 30 min haben wir unsere 4 stündige Reise an den Bodensee fortgesetzt.

Im Schwarzwald wurde Turbo dann sehr unruhig im Auto: klar, irgendwann muss Pipi kommen, nach der langen Reise … angehalten auf einem Parkplatz, raus die Transportbox, Turbo raus und nach ein paar Schritten hats dann auch mit dem 1. Pipi in Deutschland geklappt, eine Minute im Vollstrahl, keine Ahnung, wo der dass alles drin hatte … der anschließende Einstieg in die Transport gestaltete sich dann für uns sehr schwierig. Sein Interesse war nicht mehr sehr groß, sich wieder in die Box zu begeben. Mit vielen Leckerlis und einigen ratlosen Minuten gings dann letztendlich doch.

Zuhause angekommen hatte Turbo dann eine Reise hinter sich, die sich über viele Stunden hingezogen hatte. Es kamen die erste, ängstliche Erkundung des ersten Stockwerks unseres Hauses, das erste Mal Futter im neuen Zuhause, die ersten paar Minuten ausruhen im neuen Hundebett, die ersten Kontakte mit unseren beiden Söhnen.

„Sich lösen“ war eine größere Sache die ersten Tage … draußen konnte er nicht, die Angst war einfach zu groß, drinnen gings besser, war allerdings für uns nicht die beste Variante. Die ersten Tage hat er sein Pipi auf einmal beschränkt. Nach 3 Tagen war das Thema aber dann durch: im mittlerweile bekannten Garten ging das dann problemlos. Die schönen Tage über Ostern haben wir dann genutzt, um aus unserem Granitpfosten-Drahseil-Proforma-Zaun mit Staketen-Elementen einen ausbruchssicheren Zaun zu bauen. Der hat sich bis heute bewährt.

Die ersten Spaziergänge waren sehr schwierig: Turbo hatte Angst vor allem und jedem, egal ob Menschen, Katzen, Hunde, klein/groß, alles ließ ihn erstmal „einfrieren“. Wir haben deshalb gleich eine lokale Hundetrainerin eingeschaltet, die sich auf Tierschutzhunde spezialisiert hat. Mithilfe ihrer Ratschläge haben wir diese Zeit gut überstanden: wir sind die weiteren Tage erstmal „zuhause“ und im Garten geblieben, um Turbo Zeit zu geben, sich erstmal an uns zu gewöhnen und Vertrauen zu gewinnen und ihn zunächst aus den Konfrontationen mit allem „Fremden“ rauszunehmen. Das hat sich bewährt. Nach einigen Tagen haben wir unsere Spaziergänge in kleinen Runden wieder aufgenommen. Die Trainerin hat uns gezeigt, wie wichtig es ist, wie man mit dem Hund auf solche Situationen zugeht und wie man ihm das Vertrauen in diesem Moment gibt, dass er das alles nicht alleine regeln muss. Das kann man 1000x in Büchern lesen und in Videos sehen, aber wenn jemand daneben steht, der einem im richtigen Moment genau das richtige sagt, dann funktioniert das sehr gut. Zwei Tipps von ihr, die wir gerne weitergeben: es gibt spezielle Geschirre für Angsthunde, die absolut ausbruchssicher sind (mit zwei Bauchgurten, wir kombinieren das mit einem GPS-Tracker), mit ein paar Spritzern Buttermilch im Wassernapf, trinkt der Hund sicher genug (mittlerweile haben wir das auf ab und zu eine halbe Gabel Nassfutter umgestellt, das funktioniert auch bestens).

Die ersten Tierarztbesuche sind mittlerweile durch. Die Ärztin war sehr angetan von Turbos Gesundheitszustand und der Dokumentation seiner medizinischen Versorgung in Zypern. Da er immer mal wieder Durchfall hatte, wollte sie Kotproben haben. Leider hat sie Giardien und Coronaviren nachgewiesen. Nach einer Panacur-Kur haben wir die Giardien jetzt hoffentlich los und bei den Coronaviren helfen wir mit einer guten Ernährung nach. Mittlerweile lassen sich seine Hinterlassenschaften auch wieder einfach in die Tüte stecken.

In der 3. Woche bei uns hat Turbo dann plötzlich angefangen seine Spiegelbilder anzuknurren und zu bellen. Mittlerweile ist das aber nicht mehr sehr dramatisch. Es kommt meist nur noch vor, wenn sein Frauchen aus dem Haus geht und er das Gefühl hat, er wird alleine gelassen. Alleine lassen können wir ihn noch nicht, das wird noch Zeit und Training brauchen.

Am letzten Wochenende hat er Treppenlaufen gelernt: mit viel Geduld, neu aufgeklebten Sisal-Belägen auf unseren glatten Treppen-Stufen, mit Karton abgeklebten Freiräumen zwischen den Stufen und vielen, vielen Käsewürfeln haben wir ihn nach mehreren Tagen bis nach oben locken können. Nachdem es dann einmal geklappt hatte, ging es am nächsten Tage von ganz alleine. Mittlerweile hat er seinen Spaß dran in seinen verrückten Spielphasen die Treppe sogar hoch- und runter zu flitzen.

Seit diesem Wochenende haben wir seinen Schlafplatz aus dem Wohnzimmer in unser Schlafzimmer im OG verlegt. Es muss jetzt keiner mehr bei ihm neben seinem Schlafplatz im EG auf einer Matratze schlafen.

Beim Spazierengehen hatten wir schon Tage, an denen er die wildesten Wege durch den Wald ohne Probleme an der Schleppleine mitgegangen ist, an anderen Tagen wiederum will er sich kaum bewegen und setzt sich dann meist auf seinen Hintern nach ein paar Schritten. Auch hier freuen wir uns über unsere Schulungs-Gassi-Runden mit der Trainerin, die uns immer wieder gute Anregungen gegeben hat, was wir in welchen Situationen machen können, und wann es einfach keinen Sinn macht.

Es ist wahnsinnig schön zu sehen, wie gut es Turbo geht. Wenn er sich jetzt in der Sonne auf der Terrasse räkelt, oder wenn er uns vor dem Einschlafen oder nach dem Aufwachen den Bauch zum Kraulen entgegenstreckt, dann sind wir zu 100% sicher, dass sich der ganze Stress der Reise, die ganze Arbeit, die das Shelter-Team in Zypern und das Vermittlerteam von Zypernhunde, v. a. Frau Nau, mehr als gelohnt hat, um die kleine Fellnase und auch uns glücklich zu machen! Es gibt noch viel zu tun, und jeden Tag packt Turbo wieder etwas Neues aus, bei dem wir nicht wissen, was zu tun ist. Aber wir sind sicher: das wird sich alles einspielen und wir werden ein gutes uns sehr glückliches Team werden!

Viele Grüße und herzlichen Dank an alle,

Heike & Josef

   
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